Die KI-Patina: Warum gute KI-Präsentationen plötzlich alle gleich aussehen

5 Min. Lesezeit
11.09.2026

KI kann heute innerhalb weniger Minuten überzeugende Präsentationen erstellen. Das Problem: Nach einigen Folien beginnen typische KI-Muster sichtbar zu werden. Die Ergebnisse wirken zwar professionell, gleichzeitig aber zunehmend austauschbar. Dieses Phänomen nennen wir KI-Patina.

Weil große Modelle Gestaltungsmuster wiederholen, die sie in unzähligen Beispielen wiedergegeben finden, wirkt das Ergebnis bei KI-generierten Präsentationen bei näherer Betrachtung oft austauschbar. Was ihnen im Unternehmenskontext fehlt, ist nicht so sehr Kreativität, sondern Anbindung an Markenregeln, bestehende Designs, technische Strukturen und Wissen darüber, wie Präsentationen tatsächlich genutzt werden.

Denn eine einzelne gute Folie ist noch keine gute Präsentation.

Nach dem Wow kommt die Patina

Wer heute eine KI mit einer Präsentation beauftragt, kennt diesen Moment: Briefing eingeben, Informationen ergänzen, Prompt formulieren und warten. 

Dann erscheint die erste Folie und sie sieht gut aus. Nicht nur „gut für eine KI“. Sondern wirklich gut. Die Inhalte sind sinnvoll strukturiert. Die Gestaltung wirkt modern. Die Hierarchie funktioniert. Der erste Gedanke: Präsentationen sind gelöst. 

Dieser Eindruck ist nachvollziehbar, denn moderne KI-Modelle können tatsächlich Informationen analysieren, Zusammenhänge erkennen und daraus visuelle Konzepte entwickeln. Damit sind sie längst kein Spielzeug mehr. 

Doch die erste Folie erzählt nur einen Teil der Geschichte. Wer ein komplettes Folien Deck erstellt, merkt nämlich mit der Zeit: die Präsentation ist zwar professionell, aber sie sieht auch bekannt aus. Nicht diese eine Folie, sondern diese Art von Folie haben wir inzwischen schon viel zu oft gesehen: Der kleine farbige Akzent über der Überschrift. Drei abgerundete Flächen nebeneinander. Icons als visuelle Platzhalter. Kartenlayouts für jede Art von Information. Alles sauber, alles modern aber auch alles erstaunlich vertraut. 

Genau das ist KI-Patina: Inhalte wirken hochwertig, verlieren aber ihre individuelle Identität, weil dieselben visuellen Muster immer wieder auftauchen.

Die KI macht dabei nichts falsch. Sie reproduziert Muster, die in Millionen visuellen Beispielen erfolgreich funktionieren. Das Internet liebt nun einmal Boxen: abgerundete Boxen, Boxen nebeneinander oder übereinander, Boxen mit farbiger Umrandung, mit Überschrift, mit Icon. Man kann der KI kaum vorwerfen, dass sie daraus ihre Schlüsse zieht. 

Das Problem liegt woanders: was für eine einzelne Folie funktioniert, funktioniert nicht automatisch für ein komplettes Unternehmensdeck. 

Eine gute Präsentation braucht Rhythmus. Sie braucht unterschiedliche visuelle Erzählformen und Momente für Analyse, Erklärung, Entscheidung und Handlung. Ein Deck aus zwanzig sehr guten, aber strukturell nahezu identischen Folien ist dagegen vergleichbar mit einem hervorragenden Redner, der 45 Minuten lang in exakt derselben Tonhöhe, Lautstärke und Geschwindigkeit spricht. Jeder einzelne Satz kann brillant sein. Trotzdem schläft das Publikum irgendwann ein.

Eine Marke ist keine Empfehlung

Wer viele KI-generierte Folien sieht, erkennt irgendwann typische Details, zum Beispiel den kleinen farbigen Strich über einer Überschrift. Er sieht gut aus. Nur gibt es ein Problem: In den meisten Corporate Designs existiert er gar nicht. Die KI hat ihn trotzdem gern. 

Dasselbe gilt für bestimmte Farben, Formen oder Layouts. Sie funktionieren visuell, passen aber nicht zwingend zur Marke.

Und genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung im Unternehmen: Präsentationen müssen markenkonform sein. Nicht ein bisschen, sondern 100%. Denn eine Marke ist keine Empfehlung, sondern eine Regel. 

Viele Unternehmen versuchen deshalb, ihre Designvorgaben in Prompts zu übersetzen:

  • Nutze diese Farben.

  • Verwende diese Schrift.

  • Halte diese Abstände ein.

  • Verwende keine zusätzlichen Gestaltungselemente.

Das kann funktionieren, aber es löst ein grundlegendes Problem nicht: Warum muss eine Präsentations-KI jedes Mal neu erklärt bekommen, was ein Unternehmen seit Jahren definiert? 

Die Corporate Identity ist kein Prompt-Bestandteil. Sie ist Teil des Kontexts, in dem die KI arbeiten muss, denn ein Unternehmen braucht keine Präsentationen, die einfach nur schön aussehen. Es braucht Präsentationen, die wie seine eigenen aussehen. 

Natürlich kann man ein Modell darauf hinweisen. Man kann Radien verbieten, Linien untersagen, Farben definieren, Positionen beschreiben und die Regeln des Masters in einen Prompt schreiben. Mit genügend Prompting bekommt man erstaunlich viel hin… jedenfalls meistens. „Meistens" ist allerdings ein Wort, das in Enterprise-Software eine erstaunlich selten Karriere gemacht hat.

KI muss Präsentationen bauen, keine Bilder

Die nächste Herausforderung zeigt sich bei der Bearbeitung, denn Unternehmenspräsentationen werden nicht einmal erzeugt und anschließend betrachtet. Sie werden wiederverwendet und verändert. 

Dabei zeigt sich der Unterschied zwischen einer schönen Grafik und einer professionellen Präsentationsfolie

Ein Vorstand erfindet ein paar Wörter zu viel. Aus „EBITDA improvement" wird „sustainable EBITDA improvement across all business units". Und plötzlich zeigt sich, ob eine Folie lediglich gut aussieht oder auch gut gebaut wurde. 

Viele generativ erzeugte Folien bestehen technisch aus einer Vielzahl einzelner Textobjekte. Die kleine Überschrift ist eine Textbox. Die Subheadline eine weitere. Der Absatz darunter wiederum eine andere. Solange niemand etwas verändert, ist das vollkommen egal. 

Verlängert man jedoch den ersten Text um zwei Zeilen, wächst er nach unten, die nächste Textbox bleibt dort, wo sie war, und beide einigen sich darauf, fortan denselben Raum zu bewohnen. Was eben noch wie eine perfekt editierbare Business-Folie aussah, verlangt plötzlich Handarbeit. Das Ergebnis wird schnell zu PowerPoint-Tetris. 

Eine Präsentation darf deshalb kein Bild sein. Im Unternehmensalltag muss sie ein editierbares Dokument sein, dass sich in PowerPoint problemlos überarbeiten lässt.

Die nächste Generation der Präsentations-KI

Die Frage ist nicht mehr: „Kann KI eine Folie erstellen?“, sondern: „Kann KI professionelle Präsentationen im Unternehmensalltag zuverlässig unterstützen?“ 

Wenn ein Unternehmen bereits eine hervorragende Folie für drei strategische Prioritäten besitzt, warum sollte eine KI dieses Layout jedes Mal neu erfinden? Wenn Designer eine professionelle Prozessdarstellung, eine Timeline oder eine KPI-Übersicht entwickelt haben, warum sollte das Modell mit viel Rechenaufwand eine eigene Interpretation davon erzeugen?  

Eine Unternehmens-KI für Präsentationen muss:

  • bestehende gute Folien erkennen und wiederverwenden können,
  • Markenregeln automatisch berücksichtigen,
  • editierbare PowerPoint-Strukturen erzeugen,
  • unterschiedliche Layouttypen verstehen,
  • nur dann neue Folien generieren, wenn keine passende Lösung vorhanden ist.

Die intelligenteste Leistung einer KI ist nicht, etwas Neues zu erstellen, sondern zu erkennen: das richtige Design existiert bereits. Die Aufgabe besteht darin, es zu finden.

empower AI Slide Designer

empower® AI verbindet generative KI mit Unternehmenswissen

Ist das ein Argument gegen Copilot, Claude und ChatGPT? Nein. Eher das Gegenteil. Die Vorstellung, Unternehmen müssten sich zwischen spezialisierten Lösungen und den großen Frontier-Modellen entscheiden, ist eine falsche Alternative. Die großen Modelle werden besser, und zwar sehr schnell. Wir wollen davon nicht weniger, sondern möglichst viel. Wenn Claude morgen Inhalte besser strukturiert, profitieren wir. Wenn OpenAI übermorgen besseres visuelles Reasoning liefert, profitieren wir ebenfalls. 

empower® AI ersetzt deshalb nicht Claude, ChatGPT oder andere Frontier-Modelle sondern sie setzt darauf auf. Das Ziel ist, sie für konkrete Unternehmensanforderungen nutzbar zu machen. Die großen Modelle liefern die Intelligenz, Microsoft 365 und PowerPoint bleiben die Arbeitsumgebung. 

empower® AI ergänzt damit die Ebene, die für Unternehmen entscheidend ist: Corporate Design, Templates, technische Regeln und das Wissen darüber, wie professionelle Business-Präsentationen funktionieren. 

Und dahinter steht noch ein anderer Gedanke: Intelligente Präsentations-KI soll bitte nicht jede Folie komplett neu generieren. Sie soll stattdessen die Verbindung von generativer Intelligenz und vorhandenem Unternehmenswissen bilden. Sie soll Vorhandenes intelligent nutzen und Neues gezielt erzeugen aber nicht alles neu erfinden, nur weil es möglich ist.

Am Ende sollte man die KI nicht erkennen

Heute wird oft stolz darauf verwiesen, wenn eine Präsentation vollständig mit KI erstellt wurde. Langfristig wird das vermutlich genauso wenig relevant sein wie die Information, dass ein Dokument mit Word geschrieben wurde. 

Entscheidend ist schließlich das Ergebnis. Eine wirklich gute KI-Präsentation sollte nicht wie eine KI-Präsentation aussehen. Sie sollte aussehen wie eine sehr gute Präsentation des jeweiligen Unternehmens, mit dessen Sprache und Marke, mit dessen visueller Vielfalt und professionellen Standards. 

Die KI liefert die Intelligenz. Das System sorgt dafür, dass daraus echte Unternehmensqualität entsteht. 

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